Bauchfett: Freispruch für Kohlenhydrate

Bauchfett: Freispruch für Kohlenhydrate
ForscherInnen haben die Auswirkungen einer kohlenhydratreichen, fettarmen Ernährung auf das Gewicht und den Bauchumfang untersucht.

Low-Carb liegt im Trend. Die Diät lockt mit einer raschen Gewichtsabnahme und einfachen Veränderungen der Essgewohnheiten. Bei kohlenhydratarmen Ernährungsformen werden jedoch gesundheitsfördernde Lebensmittel wie Obst, Hülsenfrüchte oder Vollkorngetreide, häufig gegen große Mengen an Fleisch, Eiern und fetthaltigen Milchprodukten ausgetauscht. ForscherInnen warnen deswegen immer wieder vor der Möglichkeit gesundheitsschädlicher Langzeitwirkungen. Aber warum sollen Kohlenhydrate überhaupt gestrichen werden – machen sie überhaupt dick?

Eine Forschergruppe der University of Utah, George Washington University und des Physicians Committe for Responsible Medicine hat die Auswirkungen einer kohlenhydratreichen und fettarmen Ernährung auf das Körpergewicht, das Bauchfett und die Wirkung von Insulin untersucht.

Kohlenhydrate am Prüfstand

Die Rolle von Kohlenhydraten bei Abnehmversuchen wird widersprüchlich diskutiert. Hana Kahleova, Sara Dort, Richard Huloubkov und Neal Barnard haben deswegen die Auswirkungen einer kohlenhydratreichen, fettarmen Ernährung bei übergewichtigen StudienteilnehmerInnen analysiert. Mit Hilfe von Röntgenuntersuchungen bestimmte die Forschergruppe unter anderem auch die Größe des Bauchfetts.

16 Wochen nach Studienbeginn war der Kohlenhydratverzehr der Experiment-Gruppe über Obst, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte, um mehr als die Hälfte angestiegen. In der gleichen Zeit war der Verzehr von Fett um die Hälfte gesunken. Die Ergebnisse zeigten einen eindeutigen Trend: je höher der Kohlenhydratanteil in der Ernährung, desto höher die Gewichtsabnahme, desto größer der Abbau von Bauchfett und desto besser die Wirkung des körpereigenen Insulins.

Eindeutiger Zusammenhang

In der klinischen Studie von Dr. Kohleova wurden 75 übergewichtige StudienteilnehmerInnen in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Experiment-Gruppe wurde zu einer fettarmen, veganen Ernährung angewiesen, bei der alle tierischen Lebensmittel sowie zugesetztes Speiseöl vermieden werden sollte. Für den Verzehr von kohlenhydratreichen Lebensmitteln wie Obst, Hülsenfrüchte oder Vollkorngetreide gab es keine Obergrenze. Die Kontrollgrupp sollte hingegen ihre üblichen Ernährungsgewohnheiten beibehalten.

Für alle 100 g Kohlenhydrate, die täglich in der Vegan-Gruppe gegessen wurden, sank der BMI um 0,4 Punkte und das Bauchfett um 91 cm³. Ein ähnlicher Zusammenhang zeigte sich für Ballaststoffe. Außerdem verbesserte sich die blutzuckersenkende Wirkung von Insulin fortlaufend mit steigendem Kohlenhydratanteil der Ernährung. Die Ergebnisse blieben eindeutig, auch wenn die Berechnung auf die Energiezufuhr und den BMI der Probanden angepasst wurde. Obwohl die Kontrollgruppe ihre Energiezufuhr unbeabsichtigt im gleichen Ausmaß reduzierte, zeigten sich dort keinerlei signifikante Veränderungen.

Die Forschergruppe unterstreicht die Eignung einer fettarmen, pflanzenbasierten Ernährung in der Vorbeugung und Therapie von Gesundheitsgefahren wie Übergewicht und erhöhtem Bauchumfang oder Krankheiten wie Typ-2-Diabetes. Mehr Studien seien jedoch notwendig, um die dahinterliegenden Mechanismen im Detail zu beleuchten.

Foto: TeroVesalainen/pixabay.org

Kahleova, H., Dort, S., Holubkov, R. & Barnard, N. D. (2018). A Plant-Based High-Carbohydrate, Low-Fat Diet in Overweight Individuals in a 16-Week Randomized Clinical Trial: The Role of Carbohydrates. Nutrients, 10(9). http://doi.org/10.3390/nu10091302

Seidelmann, S. B., Claggett, B., Cheng, S., Henglin, M., Shah, A., Steffen, L. M., … Solomon, S. D. (2018). Dietary carbohydrate intake and mortality: a prospective cohort study and meta-analysis. The Lancet Public Health, 3(9), e419–e428. http://doi.org/10.1016/S2468-2667(18)30135-X

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